Weiligmann, Bärbel: Factors influencing information exchange in networks - analysis of individual communication behaviour and communication structure. Bonn (1998), 211 S., Landw.F., Diss.v. 23.10.1998

 

Netzwerke repräsentieren eine neue Form der Organisation von institutionalisiertem Informationsaustausch. Ein Netzwerk ist zusammengesetzt aus vielen Individuen, die in einen komplexen Informationsaustausch involviert sind. Der Schwerpunkt dieser Studie liegt auf Informationsnetzwerken als temporäre soziale Systeme, in denen Mitglieder freiwillig zur Lösung gemeinsamer Probleme miteinander kommunizieren. In den letzten Jahren sind viele Netzwerke entstanden, um die Isolation von Experten in Entwicklungsländern aufzubrechen und ihnen Zugang zu Informationen und den Austausch von Erfahrungen zu ermöglichen. Allerdings fehlt bis heute aufgrund der Komplexität dieser Organisationsform eine Analyse der wichtigen Faktoren, die auf den Erfolg eines Informationsnetzwerks Einfluß nehmen. Die Studie versucht, einen Beitrag zur Identifizierung, Erklärung und Analyse jener Einflußfaktoren, die die Austausch­intensität im Netzwerk erhöhen, zu leisten.

Zwei Kategorien von Faktoren werden betrachtet. Informationsaustausch hängt zum einen von der Kommunikationsstruktur und zum anderen vom individuellen Kommunikationsverhalten verschiedener Mitglieder untereinander ab. Drei Faktoren haben einen besonderen Einfluß auf die individuelle Austauschintensität: (1) ein komplementäres Netzwerkzielsystem, (2) ein faires Anreiz-Beitrags-System und (3) eine vertrauensvolle Austauschatmosphäre. Einflußfaktoren der Kommunikationsstruk­tur sind: (1) eine adäquate Auswahl der Kommunikationsmedien und Serviceleistungen, (2) die Existenz verschiedener heterogener Gruppen und wichtiger Kommunikationsrollen sowie (3) eine Ausgewogenheit von Homo- und Heterogenität der Mitglieder.

Die empirische Untersuchung analysierte das tansanische Gemüsebaunetzwerk (TVPN), das auf Initiative des tansanischen Landwirtschaftsministeriums und der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit 1993 ins Leben gerufen wurde, um den Informationsfluß zwischen den Akteuren im Gartenbausektor zu verbessern. Durch das Netzwerk wurde der Informationsfluß verbessert, die Dichte und Verbundenheit des Netzwerkes stieg deutlich, fünf wichtige Meinungsführer wurden integriert, und die einzelnen Mitglieder konnten ihre persönlichen Netze mit heterogenen Kontakten erweitern. Allerdings hat das Gemüsebaunetzwerk nur zwei vorher vorhandene Gruppen miteinander zu einer selbstkommunizierenden Gruppe verbunden. Die räumliche Entfernung und die schlechte Kommunikationsinfrastruktur der Mitglieder verhinderten einen intensiven Austausch. Aufgrund des Mangels an Manage­ment- und Designwissen waren die Einflußfaktoren nicht eindeutig identifiziert worden. Das Netzwerkzielsystem war zu generell formuliert, das Anreiz-Beitrags-System erlaubte auf­grund attraktiver Anreize eine nicht selektive Mitgliederauswahl, und eine vertrauensvolle Austauschatmosphäre hatte sich nach drei Jahren Laufzeit noch nicht entwickelt.

Die theoretische Analyse und die Identifikation der Probleme des TVPN zeigen deutlich, daß der Aufbau und ein funktionsfähiges Management von Informationsnetzwerken von den sechs identifizierten Einflußfaktoren abhängen. Zusätzlich ist die räumliche Nähe der Mitglieder von großer Bedeutung. Die Netzwerkanalyse ist ein wichtiges Instrument zur Gestaltung des flexiblen Informationsaustausches. Ein Management von vielen Individuen im Netzwerk ist eine hochkomplexe und anspruchsvolle Aufgabe. Die Beachtung der zwei Kategorien von Erfolgsfaktoren, die die individuelle Austauschintensität und die Kommunikationsstruktur beeinflussen, tragen substantiell zum besseren Verständnis und Management des Phänomens Netzwerk bei.