Starp, Michael (2006):

Integriertes Risikomanagement im landwirtschaftlichen Betrieb.

Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik, Landwirtschaftliche Fakultät, Universität Bonn, 244 Seiten.
 

Der fortschreitende Strukturwandel in der Landwirtschaft hin zu immer größeren und stärker spezialisierten Betrieben in Verbindung mit einer Rückführung der staatlichen Stützung führt dazu, dass die Einkommen in der Landwirtschaft stärkeren Schwankungen unterliegen und Risikomanagement einen höheren Stellenwert gewinnt. Durch Änderung des Anbauprogramms, den Handel von Liefer- und Terminkontrakten sowie durch die Wahl alternativer Mengen bei der Lagerhaltung lässt sich das gesamtbetriebliche Risiko beeinflussen. Aufgrund der Vielzahl von Handlungsalternativen, aber auch der bestehenden Komplexität bei der Quantifizierung der Ertrags- und Preisrisiken sowie deren Korrelationen wird ein computergestütztes Modell zur Entscheidungsunterstützung für die Landwirtschaft entwickelt. Zur Quantifizierung der Marktrisiken werden in dem Modell aus historischen Zeitreihen die unterlegten stochastischen Preisprozesse und deren Korrelationen bestimmt. Die Preisprozesse können durch Simulation ausgehend vom aktuellen Preis für die Zukunft fortgeschrieben werden. Auf diese Weise werden in Abhängigkeit von dem zum Zeitpunkt der Anwendung des Modells geltenden Marktbedingungen für jeden Zeitpunkt innerhalb des Planungshorizontes die Wahrscheinlichkeitsverteilungen der Preise ermittelt und zugleich deren Autokorrelationen abgebildet. Die unsicheren Erträge im Ackerbau werden ferner durch Wahrscheinlichkeitsverteilungen berücksichtigt, die betriebsindividuell vom Betriebsleiter vorgegeben werden können. Um eine Vorstellung über die Ertragsverteilung zu gewinnen, werden die Ertragsaufzeichnungen von 20 Betrieben analysiert und eine Literaturauswertung vorgenommen. Zur Bestimmung des Gewinns können in das Modell schließlich die fixen Kosten und die Betriebsprämie eingegeben werden. Durch stochastische Simulation kann daraus der gesamtbetriebliche Gewinn eines landwirtschaftlichen Betriebes für einen vorgegebenen Zeitraum bestimmt werden. Die Ertragskorrelationen sowie die Interkorrelationen der Residuen des Preisprozesses werden durch die Ziehung korrelierter Zufallszahlen berücksichtigt. Zur Optimierung des Betriebsportfolios wird als Zielfunktion ein Risiko-Wert-Modell genutzt, in das der Erwartungswert des Gewinns als Wertmaß und die durchschnittliche Unterschreitung von einem vorgegeben Mindestgewinn als Risikomaß eingehen. Verglichen mit der Erwartungsnutzentheorie zeichnet sich dieser Ansatz vor allem durch eine leicht verständliche Risikodefinition aus. Durch höhere Gewichtung der Risikokomponente, die sich aus der Gewinnverteilung ableiten lässt, kann der Entscheidungsträger eine höhere Risikoscheu zum Ausdruck bringen. Der optimale Mix der Handlungsalternativen wird durch Maximierung der Zielfunktion bestimmt. Anhand von zwei Beispielsbetrieben, zwei Marktsituationen und zwei Zielwerten wird das Portfoliomodell angewendet und die Auswirkungen auf die resultierende Gewinnverteilung bei unterschiedlicher Gewichtung der Risikokomponente in dem Risiko-Wert Modell dargestellt. Darüber hinaus wird verglichen, wie sich die Optimierungsergebnisse ändern, wenn statt der Ausfallerwartung die Varianz als Risikomaß verwendet oder eine Nutzenmaximierung mit einer exponentiellen Nutzenfunktion durchgeführt wird.