Schmidt, Dietrich O.: Unternehmenskooperationen in Deutschland.  Voraussetzungen und Verbreitung. Bonn (1997), 280 Seiten, Diss. v. 11.11.1997.

 

Diese Arbeit behandelt Unternehmenskooperationen in Deutschland. Sie zielt darauf ab, deren Verbreitung zu erfassen sowie eine rational fundierte und empirisch überprüfte Organisationstheorie der Erfolgsrealisierung zu entwickeln.

Der Kooperationsbegriff wird gegenüber Markt und Hierarchie abgegrenzt. Definitionskriterien sind eine bewußte Verhaltensabstimmung, eine gemeinsame Steigerung der Zielerreichung, selbständige Handlungsfähigkeit und gegenseitige Abhängigkeit. Kooperationswilligen Unternehmern steht eine Vielzahl an Kooperationsformen zur Gestaltung ihrer Geschäftsbeziehungen zur Verfügung.

Tiefeninterviews von landwirtschaftlichen Unternehmensberatern bestätigen die Kriterien zur Definition des Kooperationsbegriffes. Allerdings schränken die Berater Kooperation u.a. auf horizontale, vertragliche und langfristige Beziehungen ein. Viele der in dieser Arbeit als Kooperation verstandenen Formen werden von den Beratern nicht als Kooperation betrachtet.

Die Verbreitung von Kooperationen wird in Landwirtschaft, Handwerk und Industrie anhand einer Sekundäranalyse und einer postalischen Befragung von Unternehmensberatern ermittelt. Die geringste Kooperationsneigung besteht im Handwerk. Sektorübergreifend ist die lockere Zusammenarbeit die häufigste Kooperationsform. In der Industrie werden engere Kooperationsbeziehungen bevorzugt. Kooperationen werden am häufigsten in der Produktion realisiert; in einigen Handwerkszweigen in der Beschaffung. Mit Forschung und Entwicklung befassen sich nur Industriekooperationen; in der Betriebsleitung wird nicht kooperiert.

Unternehmenskooperationen entstehen, weil sie die Wettbewerbsstärke steigern sollen. Erfolgspotentiale können im Ressourcenzugang, in Kosten- oder Leistungsvorteilen, in der Marktposition oder einer Risikoreduktion bestehen.

Erfolgspotentiale landwirtschaftlicher Kooperationen liegen den Tiefeninterviews zufolge primär in der Produktion (Kosteneinsparung, Steigerung der Arbeitseffizienz), weiterhin in der Betriebsleitung (Teilen von Verantwortung, Reduktion des Entscheidungsrisikos u.a.) sowie in einer verbesserten Marktposition. Die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit als Gesamteffekt wird bestätigt.

Die Organisationstheorie faßt die Erfolgsvoraussetzungen zusammen. Kern­gedanke ist Harmonie im Innen- und Außenverhältnis. Intern meint Harmonie eine sich ergänzende Unternehmenspolitik und -kultur sowie Einvernehmlichkeit bei Entscheidungsfindung und Nutzenverteilung. Nach außen betrifft Harmonie die Notwendigkeit einer konfliktfreien Gestaltung der Beziehungen zur Umwelt. In beiderlei Hinsicht kann Harmonie nur durch persönlichen Einsatz der Kooperierenden erzielt werden: der Mensch steht im Zentrum der Organisationstheorie.

Tiefeninterviews landwirtschaftlicher Unternehmensberater bestätigen die Theorie im wesentlichen. Die hauptsächlichen Erfolgsvoraussetzungen und Probleme werden erfaßt. Der Aspekt der äußeren Harmonie konnte nicht im Detail überprüft werden. Die Berater unterstützen aber die übergreifende Bedeutung der beteiligten Menschen für den Kooperationserfolg.