Schlieper, Peter: Ertragsausfallversicherung und Intensität pflanzlicher Produktion. Bonn (1997), 236 S., Landw. F., Diss. v. 27.02.1997

 

Der besondere Vorteil einer auf dem Prinzip eines umfassenden Deckungsschutzes basierenden Ertragsausfallversicherung pflanzlicher Produktion ist die Vermeidung von Einkommensverlusten in Jahren ungünstiger Witterungs- und Wachstumsbedingungen. Damit weist eine solche Versicherung für das landwirtschaftliche Unternehmen ähnliche risikopolitische Vorzüge auf wie der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel. Die Gemeinsamkeiten, die viele Pflanzenschutzmaßnahmen mit einer Versicherung besitzen, liegen in der erwarteten Risikoreduktion, der Unsicherheit zum Entscheidungszeitpunkt, ob die Maßnahme im konkreten Einzelfall tatsächlich notwendig wäre, sowie der Tatsache, daß Kosten entstehen. Die Wirkungsaffinität der beiden Risk Management-Instrumente 'chemisch-synthetischer Pflanzenschutz' und 'Versicherung' wirft die Frage auf, ob eine Ertragsausfallversicherung, die einen sehr weit gefaßten Deckungsschutz bietet, Pflanzenschutzmaßnahmen zu substituieren und somit die spezielle Intensität dieses Produktionsfaktors zu mindern vermag.

Die Analyse bestehender Ertragsausfallversicherungen zeigt allerdings, daß es sich hierbei aufgrund der Asymmetrie der Information um eine außerordentlich diffizile Konstruktion im versicherungstechnischen Sinne handelt und daß deren Existenzfähigkeit erst durch öffentliche Subventionen gewährleistet wird. Die Ursachenanalyse des mangelnden Unternehmens­erfolges bestehender Versicherungen sowie die Diskussion potentieller Gestaltungselemente des Versicherungsvertrages und möglicher staatlicher Interventionen decken zum einen Schwächen in den existierenden Ausgestaltungen auf und liefern zum anderen wertvolle Hin­weise für die Konzeption einer solchen Versicherung. Allerdings vermögen diese Analysen nicht die Frage zu beantworten, ob eine umfassende Ertragsausfallversicherung im Rahmen eines marktwirtschaftlichen Prozesses existenzfähig ist.

Auf der Basis dieser Analysen wird in der vorliegenden Arbeit eine Ertragsausfallversicherung in Form eines agrarpolitischen Instrumentes entworfen, als deren primäres Ziel die Minderung der speziellen Intensität definiert ist. Der Verzicht auf eine kommerzielle Zielset­zung ermöglicht die Konzeption einer Versicherung, die ein wirkungskonformes Substitut zum chemisch-synthetischen Pflanzenschutz bildet. Eignung und Wirksamkeit dieses für die heimische Landwirtschaft innovativen Risk Management-Instrumentes werden dann anhand eines Modellbetriebes mittels eines entscheidungstheoretischen Planungsmodelles geprüft. Verwendung findet hierbei die Methode der Quadratischen Programmierung. Mit diesem Instrumentarium erfolgt eine Planung des Produktionsprogrammes für den Modellbetrieb unter Berücksichtigung unterschiedlich ausgeprägter Risikoaversion des Entscheidungs­trägers.

Die Modellergebnisse zeigen, daß eine Ertragsausfallversicherung, die nicht nur das Ertragsrisiko reduziert, sondern auch einen Einkommenstransfer vorsieht, bei ausreichender Risiko­aversion ein geeignetes Risk Management-Instrument für den Modellbetrieb darstellt und ein geeignetes Instrument zur Minderung der durchschnittlichen speziellen Intensität ist.