Goos, Josef: Ökonomische Effizienz der Grünlandextensivierungs- und Naturschutzprogramme im Mittelgebirge Nordrhein-Westfalens.

Bonn (1999)  355 S., Landw.F., Diss. v. 22.12.1999

 

In den benachteiligten Gebieten der Mittelgebirgsregionen Nordrhein-Westfalens ist seit Mitte der 80er Jahre mit dem Vertragsnaturschutz ein neuer, auf Freiwilligkeit und Kooperation angelegter Weg in der Naturschutzpolitik des Landes beschritten worden. Die vorliegende Arbeit analysiert die ökonomische Effizienz der Grünlandextensivierungs- und Naturschutzprogramme am Beispiel der Regionen Eifel, Bergisches Land und Siegerland.

 

Die voneinander abzugrenzenden Begriffe Grünlandextensivierung und extensive Grünlandnutzung bedeuten im ökonomischen Sinn, daß die Rentabilität des Faktoreinsatzes in der Grünlandbewirtschaftung nicht maximiert wird. Somit wird bewußt auf die Ausschöpfung des standortspezifisch erzielbaren wirtschaftlichen Höchstertrages verzichtet. Während beim EU-Extensivierungsprogramm in erster Linie ein flächendeckender Schutz der abiotischen Ressourcen angestrebt wird, stehen bei den Naturschutzprogrammen die Erhaltung bzw. Wiederherstellung einzelner Grünlandbiotope in einem festgelegten Gebiet (Gebietskulisse) sowie die Schaffung eines Biotopverbundsystems im Vordergrund. Mit beiden Programmen werden auch einkommenspolitische Ziele verfolgt. Das EU-Extensivierungsprogramm, ab 1996 auch die Naturschutzprogramme, haben stetig an Bedeutung gewonnen. Bei den Naturschutzprogrammen besteht aber offensichtlich noch ein erhebliches Teilnahmepotential. Leider ist die bisherige Dokumentation der Programme lückenhaft und z.T. widersprüchlich.

 

Die Agrarstruktur in den untersuchten Regionen weist im Vergleich zum Landesdurchschnitt deutliche Benachteiligungen auf. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist stärker rückläufig und das Einkommenspotential erheblich niedriger. Der hohe Grünlandanteil an der LF zwingt zur Rindviehhaltung, wobei die Milchproduktion zwar dominiert, aber stetig ‑ besonders zugunsten der Mutterkuhhaltung ‑ eingeschränkt wurde.

 

Die empirische Erhebung verdeutlicht, daß die Akzeptanz der Programme unter Berücksichtigung der persönlichen und betrieblichen Voraussetzungen neben der inhaltlichen Gestaltung und Administrierung der Programme im wesentlichen vom erhofften positiven Einkommensbeitrag beeinflußt wird. Die wirtschaftliche Situation in den Betrieben ist durchweg unbefriedigend, wenngleich die Produktions- und Rationalisierungsreserven bei weitem nicht ausgeschöpft sind. In der Milchviehhaltung wird häufig keine Kostendeckung erreicht. Die Mutterkuhhaltung läßt nur bei Ausschöpfung der Förderungsmöglichkeiten und Inanspruchnahme staatlicher Transferzahlungen ein positives Einkommen erwarten.

 

Die Modellkalkulationen zeigen, daß die Teilnahme an den Naturschutzprogrammen ein beträchtliches Einkommenspotential bietet. Die Vertragsentgelte weisen eine hohe Einkommenswirksamkeit auf. Die von den Programmen erhofften regionalen und strukturellen Konsequenzen sind allerdings nur dann zu erwarten, wenn sich die Teilnahme an diesen deutlich erhöht. In diesem Zusammenhang sind die damit verbundenen rechtlichen Risiken von Bedeutung. Derzeit erweist sich eine mögliche Schutzausweisung der Vertragsnaturschutzflächen als in hohem Maße kontraproduktiv, weil die Landwirte finanz- und vermögenswirtschaftliche Konsequenzen befürchten. Zur Umsetzung eines effizienten Naturschutzes bedarf es daher einer eindeutigen Klärung der verfügungsrechtlichen Verhältnisse und kalkulierbarer Rechtsgrundlagen. Bei der zukünftigen Ausgestaltung der Naturschutzprogramme ist dies besonders im Falle eines größeren einzelbetrieblichen Programmflächenumfangs zu beachten.