Berges, Martin: Umwelthaftungsrisiken im landwirtschaftlichen Betrieb und ihre Handhabung aus einzelbetrieblicher und versicherungstechnischer Sicht. Bonn (1998) 219 S., Landw.F.Diss.v. 07.01.1998

 

Der Umgang mit umweltgefährdenden Stoffen in der Landwirtschaft ist Bestandteil unternehmerischer Aktivitäten. Das hieraus resultierende Risiko eines Umweltschadens wird im Rahmen der Bewirtschaftung bewußt oder unbewußt in Kauf genommen, häufig ohne Kenntnis konkreter Haftungsbedingungen. Hinzu kommen Risiken die ursächlich im Zusammentreffen ungünstiger Sachverhalte (z.B. Elementareinflüsse) begründet liegen und sich damit außerhalb des individuellen Einflußbereiches realisieren.

Kommt es infolge eines Umweltschadens zu einer Privatrechtsgutverletzung Dritter, unterliegt der Landwirt einem umfangreichen Haftungsrecht, das seitens der Gerichte zunehmend schärfer ausgelegt wird bis hin zur Umkehrung der Beweislastpflicht in den klassischen Vorschriften der Verschuldenshaftung des BGB. In diese Entwicklung hinein hat die Bundesregierung 1991 das Umwelthaftungsgesetz initiiert, welches für bestimmte Tierhaltungsbetriebe eine Gefährdungshaftung für Umweltschäden auch beim Normalbetrieb normiert.

Da sich ein Umweltschaden sowohl infolge eines Störfalles als auch infolge des störungsfreien Normalbetriebes einstellen kann, ist die systematische Erfassung der Umweltrisiken in einem Risiko-Management erforderlich.

Neben den vielfältigen, stoffweise diskutierten Vermeidungs- und Verminderungs-strategien kommt der Überwälzung existenzgefährdender Risiken auf eine Versicherung eine besondere Bedeutung zu, deren Deckungskonzepte ausführlich dargestellt werden. Sie weisen insbesondere im Bereich der Verwendung umweltgefährdender Stoffe Deckungsausschlüsse auf, da sie fast ausschließlich im Einflußbereich des Individuums begründet sind (moralisches Risiko).

Eine Befragung unter westfälisch-lippischen Betrieben hat gezeigt, daß die Landwirte mit erheblichen Mengen umweltgefährdender Stoffe wirtschaften. Da sie sich ihrer Risiken sehr wohl bewußt sind, ergreifen sie konsequent Sicherheitsvorkehrungen mit der Folge, daß sie ihr betriebliches Umwelt-Haftungsrisiko überwiegend als gering einschätzen (ausgenommen die Verwendung von Gülle, Pflanzenschutzmitteln und flüssigen Düngemitteln).

Selbstbeteiligungen des Versicherungsnehmers im Schadenfall induzieren eine erhöhte Aufmerksamkeit des Versicherungsnehmers und reduzieren gleichzeitig das moralische Risiko. Aus diesem Grund werden am Beispiel der Betriebshaftpflichtversicherung die unterschiedlichen Vorzüge verschiedener Selbstbeteiligungsregelungen und ihre Wirkungen auf Schadenzahlungen und Versicherungsprämien gezeigt. Im Ergebnis trägt eine Versicherung mit Selbstbeteiligung existenzgefährdende Großschäden, während sie Bagatellschäden von der Leistungspflicht des Versicherers ausschließt.

Die Arbeit hat gezeigt, daß beträchtliche Haftungsrisiken in der Landwirtschaft bestehen, deren Kenntnis die Basis eines effizienten Risiko-Managements für Umweltschäden ist. Die Notwendigkeit Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen anzubieten, ergibt sich aus dem großen Informationsbedürfnis der befragten Betriebsleiter.